Glocke in Heilbrunn

Hojná Voda

Hojná Voda (dt. Heilbrunn) ist ein winziges Dörfchen in Tschechien mit etwa 33 Einwohnern. Es liegt im Gratzener Bergland und zählt zur Gemeinde Strobnitz. Einst war Heilbrunn für sein Heilwasser hochgeschätzt. Heute erwecken vor allem der naheliegende Heilbrunner Urwald und die Aussicht auf ruhige Urlaubstage in der Natur das touristische Interesse. Zusammen mit  dem Sophien-Urwald, welcher sich südlich erstreckt, gehört der Urwald bei Heilbrunn zu den ältesten Naturschutzgebieten in Mitteleuropa.

Geschichte

Zum ersten Mal wurde Hojná Voda im Jahr 1553 urkundlich erwähnt. Damals brachte Wilhelm von Rosenberg 26 Siedler und Holzfäller in das Gebiet. Sie gründeten hier eine Siedlung namens Vilémova Hora (dt. Wilhelmsberg), wahrscheinlich zu Ehren von Wilhelm von Rosenberg. Bereits zu jener Zeit entstand im Ort eine Kapelle. Eine weitere schriftliche Erwähnung des Dorfes stammt aus dem Jahr 1564, als in Wilhelmsberg eine Heilquelle entdeckt wurde. Die Entdeckung der Quelle ist mit der Legende eines verletzten Holzfällers verbunden. Nachdem er seine Wunde mit dem Quellwasser gewaschen hat, heilte sie schnell. Die Geschichte breitete sich sofort in der gesamten Region aus und lockte viele Menschen ins Dorf. Nach der Entdeckung der Heilquelle wurde dazu in Wilhelmsberg eine Art Kur- und Wellnesscenter eingerichtet. Neben Vilém von Rožmberk waren dort auch Petr Vok von Rožmberk, Mitglieder der Familie Buquoy, der Schriftsteller und Historiker Zikmund Winter im Ort öfter anzutreffen. 1623 wurde Wilhelmsberg in Heilbrunn umbenannt. Unmittelbar danach wurde die St.-Anna-Kirche an der Stelle der ehemaligen Kapelle erbaut, die sich später sogar zu einer Wallfahrtskirche entwickelte.

Johannes-Nepomuk-Statue
Die Statue von Johannes-Nepomuk in Heilbrunn

Im Jahr 1938 lebten noch 600 Menschen in dem Dorf, davon waren 15 % Tschechen und die übrigen Deutsche. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der deutsche Teil der Bevölkerung vertrieben und Emigranten aus anderen Ländern kamen ins Dorf. Dennoch schrumpfte die Bevölkerung stark. Das lag auch daran, dass die kommunistische Regierung die gesamte Region um Hojná Voda im Jahr 1948 zum politischen Sperrbezirk erklärte, da sie sich nahe an der Grenze zu Österreich befindet. Der Heilbetrieb wurde fortan eingestellt und schließlich auch die meisten Häuser und die St.-Anna-Pfarrkirche abgerissen.

Nach der politischen Wende 1989 erlebte das Hojná Voda förmlich eine Wiedergeburt. Seitdem wird in die Infrastruktur investiert, um den ganzjährigen Tourismus zu fördern. Die Gemeinde erfreut sich nun wieder eines guten Zuspruchs. Wanderungen, Radtouren und Wintersport stehen bei den Urlaubern hoch im Kurs. Das verwundert nicht, denn in den tiefen Wäldern fernab hektischer Straßen und Städte kann man ausspannen und Ruhe in der Natur finden.

Sehenswürdigkeiten

Die frühere Hauptsehenswürdigkeit, die St.-Anna-Pfarrkirche, ist den politischen Ereignissen zum Opfer gefallen. Sehenswert im Dorf ist heute der Bildstock des hl. Johannes von Nepomuk. Außerdem erinnert eine überdimensionale Friedensglocke an bittere Tage in der Vergangenheit.

Wald in Heilbrunn
Im Wald bei Heilbrunn finden Naturliebhaber die besten Wandermöglichkeiten.

Ausflugsziele

Für einen kurzen Ausflug von Heilbrunn aus empfiehlt sich das knapp 11 Kilometer entfernte Benešov nad Černou. Hier sind die Burgruine Sokolčí, das Rathaus aus dem 16. Jahrhundert und eine ehemalige Brauerei die Attraktionen. Die Kirche Allerheiligen, die Ruine der Burg Žumberk und eine Mühle erwarten den Besucher in der Gemeinde Žumberk (dt. Schumberg). In Nové Hrady stehen die Burg und das Kloster auf der Besichtigungsliste.

Heilbrunner Urwald

In erster Linie ist der Urwald bei Heilbrunn ein ideales Ausflugsziel für Naturliebhaber. Er steht übrigens auf UNESCO Liste als seltenes Naturdenkmal. Zusammen mit dem Sofien-Urwald wurde der Heilbrunner Urwald im Jahr 1838 auf Initiative von Graf Georg Franz August von Buquoy angelegt. Mit einer Fläche von 85 Hektar grenzt das Reservat direkt an Österreich. Die überalterten Tannen, Buchen, Fichten und Berg-Ahornen dominieren im Wald. Die zahlreichen Stationen im Reservat berichten über seine Geschichte, das Alter des Urwalds, seine Flora und Fauna sowie über die bekanntesten Persönlichkeiten, welche hier mal eine Waldexkursion unternommen haben.

 

Fotos:

© Glocke in Heilbrunn von Suisant7 – Eigenes Werk, [CC BY-SA 4.0], Wikimedia Commons
© Johannes-Nepomuk-Statue von Suisant7 – Eigenes Werk, [CC BY-SA 4.0], Wikimedia Commons
© Wald bei Heilbrunn von Karelj –  Eigenes Werk, [Public Domain], Wikimedia Commons